HID-Lampen (High-Intensity Discharge) sind spektroskopisch echte Show-Maker: In wenigen Sekunden entsteht aus einem zarten Startglimmen ein extrem helles Plasma – und dabei ändert sich das Spektrum dramatisch. Metallhalogenid-HID-Systeme enthalten typischerweise neben einem Startgas und (oft) Quecksilber auch Metallhalogenide wie Natrium, Scandium und in manchen Chemien Thallium – genau diese Mischung prägt später das sichtbare Spektrum.
In diesem Applikationsbeispiel zeigen wir mit einem DIY-Spektrometer und 1200 Linien/mm erstmals zeitaufgelöst, wie sich die berühmten Natrium-D-Linien zunächst sauber trennen lassen – und wie sie im weiteren Warm-up zu einem breiten Peak anwachsen, der schließlich in der Mitte »Einbrüche« zeigt. Dieses Verhalten ist ein sehr anschaulicher Fingerabdruck von Selbstabsorption (Self-absorption) bzw. Selbstumkehr (Self-reversal).
Messbereich: ca. 500–650 nm
Auflösung: deutlich erhöht durch 1200 lp/mm (die D-Doppellinie wird getrennt sichtbar) – mit groberen Aufbauten verschmilzt das meist zu einer Linie.
Das nachfolgende Video zeigt Zündphase und Warm-up (0–90 s) – Spektrum & Lampenbild synchron.
Dass die Na-D-Linien (und später auch andere Linien) im Warm-up zunehmen und breiter werden, ist erwartbar: Mit steigender Temperatur verdampfen mehr Füllbestandteile (Metallhalogenide), die Teilchendichte im Entladungsraum steigt und die Plasmaeigenschaften ändern sich. Metal-Halide-Lampen sind genau dafür gemacht – die Metalladditive erscheinen erst richtig, wenn der Brenner heiß ist.
Für die Linienbreite spielen mehrere Effekte zusammen:
Diese Mechanismen sind Standard in der Linienform-Physik; entscheidend ist: Je heißer und dichter das Plasma, desto breiter und »satter« werden starke Linien.
Der Kernpunkt eurer Messreihe ist der Übergang von »schönen Emissionspeaks« zu »breiter Peak mit Dellen genau in der Mitte«.
Das lässt sich mit einem sehr anschaulichen Modell erklären:
In realen HID-Brennern gibt es starke Temperaturgradienten:
Wenn ein Photon den Brenner verlässt, muss es also durch diese »kühlere Schicht« hindurch. Und hier kommt der zentrale Punkt:
Die Absorptionswahrscheinlichkeit ist dort maximal, wo die Übergangswahrscheinlichkeit (und damit der Absorptionsquerschnitt) am höchsten ist – typischerweise im Zentrum einer Spektrallinie.
Folge:
Wenn die optische Dicke groß genug ist, wird aus einem Emissionsmaximum ein Profil mit eingesunkener Mitte: das ist Self-reversal (Selbstumkehr) als Spezialfall der Selbstabsorption.
Die Na-D-Linien sind extrem starke Resonanzlinien (bekannt auch aus der Sonnen-/Fraunhofer-Spektroskopie). Genau solche Linien neigen bei hoher Teilchendichte und optischer Dicke besonders stark zu Selbstabsorption/Self-reversal.
Die grüne Tl-I-Linie bei 535,05 nm ist ebenfalls eine sehr starke Emissionslinie und kann – wenn genügend Tl-Spezies vorhanden sind und der Randbereich »kühler« bleibt – ein ähnliches (meist schwächeres) Selbstabsorptions-Verhalten zeigen.
Im heißen Zustand zeigt ihr jetzt zusätzliche Linien, die sich Scandium (Sc I / Sc II) zuordnen lassen. Das passt sehr gut zu gängigen Metal-Halide-Chemien (Na-Sc-Systeme sind klassisch) und ist damit ein starker Hinweis, dass euer Brenner tatsächlich Sc-haltig ist.
Mehr Auflösung (1200 lp/mm) bedeutet also nicht nur »schönere Linien«, sondern ermöglicht eine deutlich robustere Element-Identifikation.
Eine kurze Klarstellung zur Spektroskopie-Notation:
Dass Xenon überhaupt in der Lampe ist, passt zu vielen HID-Konzepten: Ein Edelgas dient als Start-/Puffergas, damit die Lampe schon während des Warm-ups leitfähig ist und Licht liefert, bevor die Metallhalogenide vollständig verdampfen. Xenon wird dafür häufig eingesetzt (je nach Lampentyp und Anwendung).
Im heißen Zustand erscheinen zusätzliche Peaks, deren Wellenlängen mit bekannten Xe-II-Übergängen konsistent sind. Das spricht dafür, dass der Xenon-Anteil im Plasma teilweise ionisiert ist (Xe⁺).
Mit höherer spektraler Auflösung und Zeitauflösung wird sichtbar, wie eine HID-Lampe während des Warm-ups »chemisch und physikalisch umschaltet«:
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Aktualisiert am: 24.01.2026
