HID-Lampen sind eine faszinierende Quelle für spektroskopische Untersuchungen. Man drückt auf »On« … und in den ersten Sekunden startet bei einer HID-Lampe kein einfacher »An/Aus«-Zustand, sondern ein dynamischer Aufwärmprozess.
Das Licht entsteht nach einem Rezept, das sich erst bei Betriebstemperatur vollständig entfaltet: Zuerst dominiert das Startgas, dann übernimmt der Quecksilberbogen – und erst wenn es im Brenner richtig heiß wird, kommen die zugesetzten Metalle ins Spiel und prägen das Spektrum sichtbar mit.
Mit dem Auge erkennt man hiervon nicht viel. Mit dem Spektrometer wird daraus aber ein echter Blick in die Zutatenliste: Während des Aufwärmens zeigt die Lampe Schritt für Schritt, welche Atome gerade die Hauptrolle spielen.
Um dies genauer zu untersuchen, haben wir mit unserem DIY-Spektrometer drei Spektren aufgenommen:
HID steht für High Intensity Discharge: Statt einer Glühwendel oder LED gibt es einen Lichtbogen in einem kleinen Brenner (»Arc Tube«). Damit der überhaupt zündet, steckt darin anfangs ein Startgas (bei Taschenlampen-HIDs oft Xenon, manchmal auch Argon-Mischungen). Dazu kommt in vielen HID-Konzepten Quecksilber (Hg), das den Lichtbogen stabil und sehr hell macht.
Und dann kommt das, was HID-Lampen so »würzig« macht: Metallhalogenide (Metallsalze, z. B. NaI, TlI, ScI₃ …). Diese liegen kalt erstmal als Feststoff irgendwo im Brenner. Erst wenn alles heiß genug ist, verdampfen sie und zerfallen im Plasma teilweise in Atome/Ionen. Dann entstehen zusätzliche Spektrallinien. Ergebnis: das Spektrum verändert sich beim Warmwerden dramatisch.
Die Spektren wurden mit einem unserer DIY-Spektrometer aufgenommen.
Als Software diente ein einfaches Python-Skript zum Einstellen der Integrationszeit und Linienoverlay (»Lines«); das macht das Peak-Detektivspiel deutlich leichter.
Das Licht der HID-Lampe wurde über einen TosLink/POF-Lichtleiter ins Spektrometer geführt; super praktisch: robust und preiswert. Das Ende des Lichtleiters wurde hierzu in ca. 2 m Entfernung zur Taschenlampe platziert.
Sicherheitshinweis beim Nachstellen: HID-Licht ist extrem hell, der Brenner wird heiß, und bei manchen Typen kann richtig viel UV im Spiel sein. Nicht direkt reinschauen, Abstand halten, abkühlen lassen!!!
Im kalten Zustand findet man zunächst Emissionslinien, die Xenon zugeordnet werden können. Man sieht sogar einen Peak, der als Xe II markiert ist (ionisiertes Xenon) – das passt zur Startphase: Zündung/Anlauf bedeutet hohe Feldstärken, »harte« Entladung, das Gas ist erstmal der Star.
Hinzu kommen dann schon früh Hg-Linien: Quecksilber ist in vielen HID-Systemen der zuverlässige Emitter als »Arbeitspferd«. In den ersten Sekunden »lebt« die Lampe also optisch vor allem vom Startgas + Hg. Metallhalogenide sind zu diesem Zeitpunkt noch kaum im Dampf.
Die Linie, die bei 871,66 nm auftaucht, ist die 2. Ordnung der Hg-Linie bei 435,83 nm. Diese »Geisterlinie« (m=2) ist eine perfekte Lehrbuch-Demo, warum Spektrometer für manche Anwendung Order-Sorting-Filter brauchen.
Nach rund 10 Sekunden kippt das Bild: Xenon verschwindet weitgehend aus der Hauptrolle. Hg dominiert weiterhin, aber jetzt tauchen neue starke Player auf:
Das ist genau das typische HID-Warmup-Verhalten: Mit steigender Temperatur verdampfen die Salze, werden im Plasma »aktiv« – und in Folge bekommt das Spektrum neue, kräftige Linien.
Im stabil heißen Zustand sieht man dann sehr schön:
Hg bleibt als Grundgerüst sichtbar (z. B. 435,8 / 546,1 / 577,0 / 579,1 nm).
Tl bleibt sehr präsent (535,05 nm) – ein »Effizienz-Boost« im Grün.
Na ist sehr prominent (589,59 nm) – dieser Bereich wirkt dann im heißen Zustand auch breit/strukturiert, weil unter HID-Bedingungen Druck- und Selbstabsorptionseffekte mitspielen.
Zudem tauchen nun noch weitere Linien, die auf Lithium und Scandium als Inhaltsstoffe hinweisen. Li + Sc + Na + Tl ist eine sehr typische »Metal-Halide-Gewürzmischung«, um Spektrum und Farbwiedergabe bei HID-Lampen zu formen.

Der Brenner einer HID ist klein – aber im Betrieb herrschen sehr hohe Temperaturen und hohe Drücke. Das ist eher »Mini-Plasma-Reaktor« als »Glühbirne«.
Die berühmte gelbe Natriumlinie um 589 nm (genauer: das Na-D-Doppel bei 589,0 nm und 589,6 nm) ist hier im heißen Zustand so dominant, dass sie nicht nur hell leuchtet, sondern sich im Lampenplasma gewissermaßen selbst im Weg steht. Dann passiert etwas, das im Spektrum wie ein Kratzer oder Dip mitten im Peak aussieht: Selbstabsorption (auch self-reversal genannt).
Die Erklärung ist simpel: Im heißen Zentrum des Lichtbogens werden Natriumatome stark angeregt und senden die D-Linien sehr intensiv und durch den hohen Druck verbreitert aus. Aber der Brenner ist kein homogen heißer »Punkt«, sondern hat Temperatur- und Dichtegradienten: außen herum gibt es kühlere Zonen mit vielen Natriumatomen im Grundzustand. Und genau diese Atome absorbieren bevorzugt dann wieder genau die gleiche Wellenlänge, die die heißen Zonen emittieren – besonders bei Resonanzlinien wie den Na-D-Linien.
Sie möchten das Experiment nachstellen – in Ihrem Labor oder der Lehre? Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf – wir unterstützen Sie bei Planung, Aufbau, Kalibrierung und der Auswahl passender Komponenten. Eureca berät mit langjähriger Expertise in Optoelektronik, Optik und Spektroskopie – von DIY-Setups bis zu OEM-Lösungen. Feedback ist ausdrücklich willkommen: Teilen Sie uns gerne Ihre Erfahrungen, Ergebnisse oder Verbesserungsvorschläge mit.
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Aktualisiert am: 07.01.2026
